Trinidad liegt an der Südküste Zentralkubas und ist mit 36.000 Einwohnern eher ein kleines Städtchen. Dennoch ist es ein Muss für alle Reisenden nach Cuba, Trinidad zu besuchen. In wohl keiner anderen Stadt Cubas kann man das koloniale Flair der Insel so hautnah erleben wie in Trinidad.
Das ehemalige Zentrum der kubanischen Zuckerindustrie und des Sklavenhandels bietet eine komplett restaurierte Innenstadt mit kolonialer Bebauung, die nicht durch neuere Gebäude durchbrochen wird. Dies liegt zum einem daran, dass Trinidad nach dem Höhepunkt der Zuckerindustrie in der Mitte des 19. Jahrhunderts wirtschaftlich in der Bedeutungslosigkeit versank, zum anderen daran, dass Trinidad durch seine Lage isoliert vom Rest Cubas war. Erst in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde Trinidad an das kubanische Straßennetz angeschlossen. So vermittelt das Zentrum von Trinidad rund um die Plaza Mayor mit seinem Kopfsteinpflaster und den in prächtigen Farben erstrahlenden Kolonialhäusern den Eindruck, man sei in die Kolonialzeit zurückversetzt. Seit 1988 ist Trinidad zusammen mit dem Valle de los Ingenios Weltkulturerbe der UNESCO.
Gegründet wurde Trinidad 1514 durch Diego Velázquez de Cuellár, offiziell als „Villa de la Santísima Trinidad“. Es war die dritte Gründung einer Villa durch Spanier auf Cuba. Er vermutete in den Flüssen der Gegend Gold, was sich jedoch nicht bestätigte. 1519 brach Hernán Cortéz von Trinidad aus mit seiner Flotte Richtung Mexico auf, der Beginn der Eroberung des Aztekenreiches durch den Spanier. Im 16. Bis 18. Jahrhundert lag der Erfolg Trinidads vor allem im Schmuggel: Durch die isolierte Lage und die fehlende Landanbindung konnten die Einwohner von Trinidad Handelsbeziehungen vorbei an der spanischen Krone führen. Die meiste Schmugglerware wurde dabei über den nahe gelegenen Hafen Casilda umgeschlagen. Der Preis dafür war allerdings, dass Trinidad auch nicht geschützt wurde und daher immer wieder von Piraten geplündert wurde.
In der Mitte des 18. Jahrhunderts begann der Aufstieg Trinidads: Es wurde zu einer der bedeutendsten Zuckerregionen der Insel. Die weltweit gestiegene Nachfrage nach Zucker machte Trinidad zu einer der wohlhabendsten Städte Cubas. Die Zuckerbarone bauten sich prächtige Häuser in der Stadt, die mit Havanna konkurrieren sollten. Mit dem Zuckerboom wurde Trinidad neben Santiago de Cuba auch einer der wichtigsten Umschlagplätze für Sklaven. Zu Hundertausenden wurde diese aus Ostafrika verschleppt und auf den kubanischen Zuckerrohrfeldern eingesetzt.
In der Mitte des 19. Jahrhunderts endete der Wohlstand dann jäh. Der großflächige Anbau von Zuckerrüben in Europa ließ die Nachfrage und Preise für Zucker aus Zuckerrohr rapide fallen. Es kam immer wieder zu Sklavenaufständen. Trinidad versank wieder in der Bedeutungslosigkeit. Es wurde eine der ärmsten Gegenden Cubas. Erst in den 50er Jahren erwachte Trinidad wieder allmählich, indem es endlich eine Straßenanbindung an Sancti Spiritus und Cienfuegos erhielt. In der kubanischen Revolution war zudem die Trinidad umschließende Sierra Escambray ein wichtiges Rückzugsgebiet für die Revolutionäre.
Die Iglesia y Convento de San Francisco ist ein altes Kloster, östlich der Plaza Mayor gelegen. Es wurde 1813 als Franziskanerkloster erbaut, ist aber 1848 diesen entzogen worden und wurde zur Gemeindekirche. 1895 endete die Zeit als Kirche und das Convent wurde in eine Garnison der spanischen Armee umgewandelt. 1920 wurden dann große Teile der Gebäude und der Kirche abgerissen, da es sich in einem desolaten Zustand befand. Nur der Glockenturm und einige Nebengebäude blieben erhalten. Ergänzt um neuere Bauten diente der Gebäudekomplex bis 1983 als Schule. Der Glockenturm des Klosters ist das Wahrzeichen der Stadt. Die Glocke stammt aus dem Jahr 1853. Das Kloster beherbergt heute das Museo de la Lucha contra Bandidos, welches sich mit dem Kampf gegen die Konterrevolutionäre, die sich nach 1959 in die Sierra Escambray zurückgezogen hatten, beschäftigt.
Das Gebäude des Palacio Cantero wurde Anfang des 19. Jahrhunderts von dem Zuckerbaron Don Borell y Padrón im klassizistischen Stil erbaut. Es verfügt über einen Turm, der von weither sichtbar ist. 1851 wurde es von dem Großgrundbesitzer aus dem Valle de los Ingenios Cantero gekauft, nach sich selbst umbenannt und prachtvoll ausgestattet. Die Eingangshalle ist ausgestattet mit einem Boden aus italienischem Marmor, die Säulenbögen sind mit kunstvollen Fresken verziert. Heute ist das örtliche historische Museum hier untergebracht. Es befinden sich hier Ausstellungsstücke zur Familie Cantero, zur Zeit der Piraterie, den Zuckerrohrfelder des Valle de los Ingenios, dem Sklavenhandel und der Zeit der Befreiungskriege. Die Aussichtsplattform des Turms kann ebenfalls besucht werden. Von hier hat man einen schönen Blick über die Altstadt.
Die größte Kirche Trinidads ist die Iglesia Parroquial de la Santísima Trinidad. Sie liegt am oberen Ende der abfallenden Plaza Mayor. Die Kirche wurde 1892 errichtet, au den Ruinen der zuvor durch einen Wirbelsturm zerstörten alten Kirche. Von außen zeigt sich die klassizistische Fassade der Kirche eher schmucklos. Die Kirche ist die einzige fünfschiffige Kirche Cubas. In der Kirche befindet sich der gotische Altar, dessen Rückwand geschmückt ist mit einem Gemälde des kubanischen Künstlers Antonio Herr. Highlight der Kirche ist jedoch eine aus Spanien stammende Holzstatue, genannt Senor de la Vera. Die Statue verließ 1731 den Hafen von Barcelona und war bestimmt für die Kirche Vera Cruz in Mexiko. Das Schiff machte einen Zwischenstopp in Casilda, einen Hafen etwa 6km von Trinidad entfernt. Der Kapitän versuchte 3mal erfolglos, aus dem Hafen auszulaufen, doch starke Winde ließen dies scheitern. Beim vierten Mal beschloss der Kapitän, einen Teil der Landung über Bord zu werfen, darunter die Kiste mit der Holzstatue. Diese wurde in Trinidad angeschwemmt. Seit diesem Tag wird der Senor de la Vera Cruz verehrt. Der Statue ist auch die Gründonnerstagsprozession gewidmet, die seit 1997 wieder stattfindet. Seit der Revolution war diese zuvor ausgesetzt. Die Kirche hat keine regelmäßigen Öffnungszeiten.
Über der Altstadt von Trinidad thront die Eremita de Nuestra Senora de la Candelaria de la Popa. Das Kloster stammt aus dem 18. Jahrhundert. Nachdem die Kirche von einem Wirbelsturm zerstört wurde, kam 1812 der Glockenturm mit seinen drei Glocken hinzu. Die Gebäude sind nur noch Ruinen und können nicht mehr betreten werden. Zu erreichen ist die Kirche, wenn man nördlich der Plaza Mayor den Berg rauf steigt. Von hier oben hat man einen schönen Blick über die Altstadt von Trinidad.
Etwas abseits des historischen Zentrums im Ostteil Trinidad liegt die Plaza de la Ana. Am Platz befindet sich die Iglesia de Santa Ana, eine Kirche aus dem 18. Jahrhundert. 1800 wurde sie teilweise neu erbaut, 1812 erhielt sie einen Glockenturm. Heute steht nur noch die Fassade der Kirche. Der Platz ist belebt und bietet ein Restaurant, ein Cafe und Galerien. Im ehemaligen Gefängnis ist ein Kulturzentrum untergebracht. Im nördlich des Zentrums gelegenen Arbeiterviertel El Calvario steht der Cabildo de los Congos Reales de San Antonio, eine 1859 errichtete Kultstätte zu Ehren afroamerikanischer Götter. Cabildos sind Kulturzentren, die im 19. Jahrhundert entstanden und es sich zur Aufgabe gemacht hatten, das kulturelle und musikalische Erbe der afroamerikanischen Sklaven zu bewahren. Das Cabildo von Trinidad ist der Gottheit Oggún geweiht, einem Kriegsgott der Glaubensrichtung Palo Monte, einer Mischung aus alten afrikanischem Glauben und katholischen Elementen. Der Gott Oggún entspricht im katholischen Glauben dem heiligen Antonius von Padua.
Provinz: Sancti Spiritus