Die „Perle de Südens“ wird Cienfuegos genannt, wunderschön gelegen an der Bahia de Jagua an der Südküste Cubas. Die Stadt mit ihren ca. 140.000 Einwohnern ist auch Hauptstadt der Provinz Cienfuegos.
Weite Teile der historischen Altstadt von Cienfuegos sind schon aufwendig restauriert. Unzählige Bauten mit reich dekorierten Fassaden erstrahlen in Pastellfarben. Besonders schon präsentieren sich das Gebiet um den Parque Martí und der Prado, der sich bis zur Landspitze Punta Gorda erstreckt. Cienfuegos ist aber auch eines der wichtigsten Wirtschaftszentren Cubas. Der Hafen von Cienfuegos ist der größte kubanische Umschlagplatz für Zucker. Der Containerhafen ist der drittgrößte Cubas. Zudem gibt es eine Ölraffinerie und Cubas einzigen, aber nicht vollendeten Atomreaktor. Seit 2005 gehört das historische Stadtzentrum von Cienfuegos zum UNESCO Weltkulturerbe.
Entdeckt wurde die Bucht von Cienfuegos schon 1494 durch Kolumbus auf dessen 2. Erkundungsfahrt. Sie war zu dieser Zeit von Jagua-Indianern bevölkert. Die Bucht von Bahia de Jagua bietet einen nur 200 Meter breiten Einlass. Dahinter erstreckt sich die Bucht 20km lang. Dies machte die Bucht zu einem idealen natürlichen Hafen. Vor allem Piraten nutzen diesen in der Folgezeit. So ankerten u.a. die Schiffe von berüchtigten Piraten wie Francis Drake oder Henry Morgan in der geschützten Bucht. Von hier aus wurden immer wieder die Schiffe der spanischen Krone überfallen. Um die von Piraten stark heimgesuchte Südküste Cubas zu schützen, errichteten die Spanier 1745 ein Fort, dass den Namen Castillo de Jagua erhielt. Die erste Stadt wurde jedoch erst am 22. April 1819 durch französische Siedler unter Don Luis D´Clouet y Piettre gegründet unter dem Namen Fernandina de Jagua. 1829 wurde die Stadt umbenannt in Cienfuegos, benannt nach dem damaligen Gouverneur Cubas José Cienfuegos (Die Stadt ist nicht nach dem Held der kubanischen Revolution Camillo Cienfuegos benannt). 1860 wurde Cienfuegos an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Damit begann der Aufstieg Cienfuegos. Zwar erhielt die Stadt erst 1881 das Stadtrecht, doch sie hatte schon zu dieser Zeit Trinidad den Rang als wirtschaftliches Zentrum der Zuckerindustrie abgelaufen. Cienfuegos sollte sich zum größten Zuckerhafen der Welt entwickeln. Durch die späte Gründung der Stadt ist deren Grundriss geplanter als in anderen Städten Cubas. Typisch sind die schachbrettartig angelegten Straßen im Stile des Klassizismus.
Der ehemalige Paradeplatz Plaza de Armas nennt sich heute Parque Martí und ist ein rechteckiger, 100 mal 200 Meter großer Platz. Im Zentrum des Platzes ist der „Kilometer null“ in den Boden eingelassen, das Zentrum der Stadt. Auf dem Platz wurde in einer feierlichen Zeremonie unter einem Hibiskusbaum die Stadt gegründet und die Markierungen für die ersten 25 Blocks festgelegt. Im Zentrum des Platzes steht das Denkmal zu Ehren von Jose Martí, den großen Nationalhelden Cubas. Das Denkmal stammt aus dem Jahre 1906. Die Statue von Jose Martí steht auf einem Marmorpodest, umsäumt von Löwen. An der Ecke zur Calle Bouyón steht der einzige Triumphbogen Cubas, eine Denkmal, welches 1902 vom Arbeiterverband gestiftet wurde im Gedenken an die Ausrufung der Republik Cuba. Ebenfalls auf dem Platz steht der Pavillon Glorieta.
Eine Seite des Platzes wird vom Palacio del Ayuntamiento eingenommen, einem Gebäude, welches an das Capitolio von Havanna erinnert und Sitz der Provinzregierung ist.
Das Teatro Tomás Terry steht direkt am Parque Martí. Es wurde in den Jahren von 1886 bis 1889 als letzter Wille aus dem Vermögen von Tomás Terry Adams erbaut. Tomás Terry Adams war ein skrupelloser Fabrikbesitzer, der seinen Reichtum vor allem durch Sklavenhandel erlangte. Das Gebäude wurde entworfen von Lino Sánchez Mármol im Stile italienischer Theater. Die Fassade des Gebäudes besitzt fünf große Bögen mit jeweils einer Eingangstür. Die Giebeldreiecke sind verziert mit Keramikmasken, welche die drei Grazien darstellen. Sie stammen aus den Salvetti-Ateliers in Venedig. Der große Zuschauersaal ist U-förmig und besitzt drei Ränge. Er ist geschmückt mit einem riesigen Fresko von Camilo Salaya, einem philippinisch-spanischen Maler, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Cuba übersiedelte.
Zu Anfang des 20. Jahrhunderts traten im Teatro Tomás Terry auch Weltstars wie Enrico Caruso und Sarah Bernhardt auf. Links an das Theater schließt sich das Colegio de San Lorenzo an, eine Stiftungsgebäude von Nicolás Jacinto Acea. Hier sollten die bedürftigen Kinder der Stadt eine schulische Ausbildung erhalten.
An der Stirnseite des Parque Martí steht die Kathedrale von Cienfuegos, die Catedral de la Purísima Conceptión. Sie wurde von 1833 bis 1869 erbaut im klassizistischen Stil. Die Kathedrale besitzt zwei unterschiedlich hohe Glockentürme. Die Buntglasfenster stellen die zwölf Apostel dar und stammen aus Frankreich.
Das örtliche Provinzmuseum liegt ebenfalls am Parque Martí. Es befindet sich im ehemaligen Kasino Espanol. Das Gebäude wurde eröffnet am 5. Mai 1896 und erinnert an eine Kirche. Die Einrichtungen in Bronze, Marmor und Alabaster mit Kristall- und Prozellansammlungen zeugt vom Geschmack und Wohlstand der Einwohner im 19. Jahrhundert.
Am westlichen Ende des Parque Martí steht der Palacio Ferrer. Der palastähnliche Bau stammt aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts und wurde erbaut von dem Zuckerbaron José Ferrer Sirés. Das ungewöhnlichste an dem Gebäude ist ein kleiner Turm. Dieser besitzt eine blaue Mosaikkuppel. Über eine Wendeltreppe gelangt man hinauf und hat von oben aus einen schönen Blick über den Parque Martí. Im Palacio Ferrer nächtigte Enrico Caruso während seiner Auftritte im Teatro Tomás Terry. Heute ist in dem Gebäude die Casa Provincial de la Culture untergebracht.
Nordöstlich des Parque Martí auf der Halbinsel Cayo Loco steht das größte Schifffahrtsmuseum Cubas. Es zeigt eine Reihe von Dokumenten über den Aufstand gegen das Batista Regime am 5. September 1957 sowie Zeugnisse der Geschichte der kubanischen Marine.
Der Paseo del Prado ist die Schlagader der Stadt. Der belebte, breite Boulevard wurde 1922 angelegt. Er zieht sich durch die gesamte Altstadt bis hin nach Punta Gorda. Entlang des Paseo del Prado stehen viele mehr oder weniger gut erhaltene Kolonialgebäude. Auf dem mit Bäumen gesäumten Mittelweg stehen immer wieder Statuen von berühmten Personen der kubanischen Geschichte.
Punta Gorda ist ein Stadtviertel an der Südspitze der Landzunge der Bucht von Cienfuegos. Das Viertel wurde Anfang des 20. Jahrhunderts für die Aristokratie geschaffen. Entsprechend findet man dort wunderschöne, sehr gut erhaltene Jugenstilvillen. An der Spitze der Halbinsel stehen Holzhäuser in grellen Farben. Diese sind den „Ballonrahmen-Häusern“ der USA nachempfunden, wie sie dort zu Anfang des 20. Jahrhunderts Mode waren.
An der Spitze von Punta Gorda steht der Palacio de Valle, das vielleicht spektakulärste Gebäude von Cienfuegos. Das Gebäude stammt aus den Jahren 1913 bis 1917. Erbaut wurde es von dem Zuckerhändler Acisclo del Valle Blanco, zu der Zeit einer der reichsten Männer Cubas. Das Gebäude hat zwei Stockwerke. Es weist gotische, venezianische und neomaurische Motive auf und ist somit ein wilder Mix verschiedener Stilrichtungen. Es erinnert an den arabisch-spanischen Stil der Alcázars, wie er auch in Granada oder Sevilla vorzufinden ist. Der Palacio de Valle besitzt drei im Stil unterschiedliche Türme, die Macht, Religion und Liebe symbolisieren. Zu Zeiten Batistas war im Palaciuo de Valle ein Kasino untergebracht, heute befindet sich ein Restaurant im Gebäude.
Ein Muss für jeden Besucher von Cienfuegos ist der Besuch eines der beiden Monumentalfriedhöfe der Stadt. Der eine ist der Cementerio Monumental Tomás de Acea. Schon am Eingang erwartet einen ein wuchtiges Gebäude, welches eine Replik des Pantheons in Athen ist. Dahinter erstreckt sich ein weitläufiges Areal. Der Friedhof ist als Park mit Obstbäumen angelegt. Die Gräber zeigen unterschiedlichste Stilrichtungen mit imposanten Statuen aus weißem Marmor.
Der zweite große Monumentalfriedhof von Cienfuegos ist der Cementerio General La Reina. Der klassizistische Friedhof befindet sich im Westen der Stadt und stammt aus dem Jahr 1830. Auch dieser Friedhof wartet mit spektakulären Grabstatuen aus Marmor aus, unter ihnen auch die berühmte Grabstatue La Bella Durmiente (Schlafende Schönheit).
Etwas außerhalb der Stadt befindet sich das Castillo de Jagua. Es wurde 1745 durch Bruno Caballero entworfen und unter José Tantete erbaut. Als Schutz gegen die Piratenüberfälle war es das einzige Fort an der zentralen Südküste Cubas und zu seiner Zeit das drittgrößte Fort Cubas. Zugbrücke und Burggraben sind noch heute intakt. Um das Castillo de Jagua rankt sich eine Legende: In der Zitadelle sollt eine geheimnisvolle Dame in einer blauen Robe gewohnt haben, die jede Nacht durch die Flure gewandelt und die Wächter erschreckt haben soll. Eines Morgens soll ein Wächter entdeckt worden sein, der völlig verstört ein Stück blauen Stoffs in den Händen hielt. Er erholte sich nie von dem Schock und verbrachte des Rest seines Lebens im Irrenhaus. Im Fort befindet sich heute ein Fischrestaurant. Am Fuße des Forts liegt das kleine Fischerdorf Perché, das mit seinen Holzhäusern einen Kontrast ztum imposanten Militärgebäude bildet. Das Castillo de Jagua kann am Besten per Schiff erreicht werden.
Provinz: cienfuegos