Camagüey ist Hauptstadt der größten kubanischen Provinz Camagüey und mit seinen rund 300.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Cubas. Die Stadt liegt inmitten von weitläufigem Weideland und wird auch „die Legendäre“ genannt.
Die Stadt Camagüey ist ein wichtiges kulturelles Zentrum und hat sich durch ihre klassizistische Architektur, ihrer langen Tradition und dem Patriotismus ihren Beinamen erworben. Charakteristisch für Camagüey sind die verwinkelten Straßen, die es einem schwer machen, sich zu orientieren. Weltberühmt ist das Ballet de Camagüey, welches weltweit auftritt. Zudem ist die Universität von Camagüey ein Anziehungspunkt für viele junge Cubaner. Das Stadtbild ist geprägt von vielen kleinen Plätzen, engen Straßen und Gassen und einer Vielzahl an Kirchen. Typisch sind die neben den Eingängen noch vorhandenen großen Tonkrüge. Diese dienten in der recht trockenen Gegend zum Auffangen von Regenwasser. Die Altstadt von Camagüey ist die nach Havanna größte, zusammenhängende und noch erhaltene Altstadt Cubas.
Gegründet wurde die Stadt 1515 als eine der ersten sieben Villas im Namen der spanischen Krone durch Diego Velazquez unter dem Namen Nuestra Senora de Santa Maria del Puerto Principe an der Bucht von Nuevitas. An ihrem ursprünglichen Ort wurde die Stadt stark heimgesucht von Piraten und war auch immer wieder Opfer von Aufständen der Indianer. Um diesen zu entkommen, wurde die Stadt schon 1528 ins Landesinnere verlegt. Als Zentrum für Händler und Viehzüchter aber bliebt die Stadt Anziehungspunkt für Räuber. 1668 wurde Camagüey durch Henry Morgan und seine Korsaren erobert und teilweise niedergebrannt. Noch heute zeugt die Straßenführung in der Stadt von der Angst der Einwohner von Camagüey: Die Straßen wurden verwinkelt angelegt. Kaum eine Straße trifft rechtwinklig auf eine andere. Dies sollte Angreifern die Orientierung nehmen… und nimmt noch heute so manchem Besucher eben diese. Camagüey heißt die Stadt erst seit 1923. Der Name ist indianischen Ursprungs: Camagüei oder Camagüebax ist der Legende nach der Name eines Kaziken-Häuptlings, der von den Kolonialisten ermordet wurde.
Der Parque Ignacio Agramonte ist der zentrale Platz von Camagüey. An ihm stehen viele wichtige Gebäude wie der Palacio Collade, die Kathedrale, die Biblioteca Julio Antonio Mella und die Casa de la Trova Patricio Ballagas. Der Parque Ignacio Agramonte ist der ehemalige Plaza de Armas. Im Zentrum des Platzes steht eine Reiterstatue des kubanischen Unabhängigkeitskämpfers Agramonte. Sie stammt aus dem Jahre 1912 und stammt von dem italienischen Künstler Salvatore Boemi. Eingeweiht wurde sie von Agramontes Ehefrau Amalia Simoni. An den vier Ecken des Platzes stehen große Königspalmen. Sie gedenken an eine Gruppe von Nationalisten, die auf diesem Platz am 24. Februar 1851 exekutiert wurden. Da die Spanier Denkmäler an die Nationalisten verboten, wurden in Cuba oft Königsplamen als symbolische Denkmäler an die Helden der Unabhängigkeitskriege gepflanzt.
Die große Kathedrale von Camagüey ist der Schutzpatronin der Stadt geweiht. Entworfen und erbaut wurde sie von Manuel Saldana zu Beginn des 18. Jahrhunderts. 1777 bekam sie einen Glockenturm, der jedoch nach nur einem Monat wieder einstürzte. Die Catedral de Nuestra Senora de la Candelaria wurde mehrmals wieder aufgebaut und umgebaut. Die heutige Struktur stammt aus dem Jahre 1864. Die Kathedrale besitzt eine monumentale Fassade. Diese wird von einem Giebeldreieck überspannt. Auf dem sechsstöckigen Turm thront eine große Christusstatue.
Das Geburtshaus von Ignacio Agramonte steht am Plaza de los Trabajadores. Auf dem Platz steht ein großer Kapokbaum. Dieser markiert den Mittelpunkt der Altstadt. Die Casa Natal de Ignacio Agramonte ist ein zweistöckiges Gebäude aus dem Jahre 1750 mit einem schönen Innenhof. Agramonte war ein Held des Unabhängigkeitskrieges. Er fiel im Jahre 1873 im Alter von 32 Jahren im Gefecht. Heute beherbergt das Geburtshaus ein kleines Museum. Es zeigt Dokumente aus den Unabhängigkeitskriegen und persönliche Gegenstände Agramontes, darunter auch eine 36-kalibrige Pistole von 1851. Das Haus ist noch ausgestattet mit dem originalen Mobiliar, darunter das Piano von seiner Frau Amalia Simoni, zu ihrer Zeit eine der reichsten Frauen der Stadt.
Die Originalkirche an diesem Standort stammt schon aus dem Jahre 1601. Nach ihrer Zerstörung wurde die Iglesia de la Merced von 1748 bis 1756 neu errichtet. Sie besitzt eine barocke Fassade mit einem zentralen Glockenturm. Die Kirche ist im Inneren jugendstilartige Wandmalereien. Auch die Katakomben können besucht werden. Highlight der Kirche ist jedoch das Heilige Grab mit Christusbild, welches von dem mexikanischen Bildhauer Juan Benitez Alfonso stammt. Es besteht aus 23.000 Silbermünzen. Diese stammen von Manuel Agüero, der nach dem Tod seiner Frau 1726 Mönch wurde und sein Leben der Restaurierung der Kirche verschrieb.
Das Theater von Camagüey wurde erstmals 1850 eröffnet. Nachdem es abgebrannt war, wurde es 1926 neu errichtet. Es ist das Heimattheater des weltweit beachteten Ballet de Camagüey, eines der führenden Ensembles Südamerikas.
Die Calle Christo führt zu einem weiteren Platz von Camagüey, der Plazuela del Christo. An dem Platz steht die Iglesia del Santo Christo del Buen Viaje sowie der Cementerio General. Der Friedhof wurde 1814 gebaut und ist der älteste Friedhof Cubas.
Das Museo Provincial Ignacio Agramonte ist untergebracht im einzigen ehemaligen Militärgebäude der Stadt. Es war das Hauptquartier der spanischen Kavallerie im 19. Jahrhundert. 1948 wurde es in ein Museum für Geschichte, Naturwissenschaft und Kunst umgewandelt. Die Kunstsammlung des Museums ist nach dem Museo de Bellas Artes in Havanna die bedeutendste Cubas. Es werden u.a. drei Werke des berühmten kubanischen Künstlers Fidelio Ponce gezeigt. Zudem verfügt das Museum über eine große Buch- und Manuskriptsammlung. Darunter befindet sich auch das Werk Espejo de Paciencia des kanarischen Schriftstellers Silvestre de Balboa. Das Werk stammt aus dem Jahr 1606 und gilt als erstes literarisches Werk Cubas.
Folgt man der Calle Martí bis zur Plazuela de la Bedoya, stößt man auf die Iglesia del Carmen. Die Kirche und das angeschlossene Ursulinenkloster stammen aus dem Jahr 1825. Die Kirche hat eine Barockfassade.
Die Iglesia de San Juan de Dios steht am Plaza Don Juan de Dios, auch Plaza del Padre Olallo genannt. Padre Ollalo lebte von 1820 bis 1889 und widmete sich der Pflege der Kranken im Krankenhaus. Am 29. November 2008 wurde der Barmherzige Bruder Padro Olallo als erst zweiter Kubaner selig gesprochen. Der gesamte Platz ist von kolonialer, restaurierter Architektur umgeben und einer der schönsten Plätze von Camagüey.
Der Bau des Kirchenkomplexes begann im Jahr 1728. Von außen präsentiert sich die Iglesia de San Juan de Dios mit ihrer streng symmetrischen Fassade eher schlicht. Im Kontrast dazu steht das Innere der Kirche. Böden, Decke und Chor sind noch im Original erhalten. Ebenso der Hochaltar mit der Heiligen Dreifaltigkeit und einer anthropomorphen Darstellung des Heiligen Geistes. Zum Kirchenkomplex gehört das einstige Krankenhaus. Im 20. Jahrhundert war es zunächst ein Militärkrankenhaus, dann eine Ausbildungseinrichtung für Lehrer, danach eine Notunterkunft für Flutopfer, dann wiederum ein Zentrum für bedürftige Kinder aus sozial schwachen Familien und zuletzt beherbergte es das Instituto Tecnologico de la Salud (Technologisches Zentrum für Gesundheit). Heute ist dort die Direccion Provincial de Patrimonio und die Oficina del Historiador de la Ciudad untergebracht, die sich mit dem kulturellen Erbe der Stadt und Provinz beschäftigen. Der Krankenhauskomplex besitzt zwei Innenhöfe im mudejar Stil. Die Galerien der Innenhöfe sind mit eleganten Fenstergittern und Holzbalustraden ausgestattet.
Der Parque Casino Campestre ist der größte Stadtpark Cubas. Durch ihn hindurch fließt der Hatibonico. Früher als Gelände für Landwirtschaftsmessen ist er seit dem 19. Jahrhundert ein öffentlich zugänglicher Park. Im Park stehen Statuen von einheimischen Persönlichkeiten sowie ein Denkmal an die spanischen Piloten Barberan und Collar, denen am 10. Juni 1933 ein historischer Transatlantikflug von Sevilla nach Camagüey gelang in nur 19 Stunden und 11 Minuten.
Die Bar El Cambio ist eine alte, traditionsreiche Bar, direkt gelegen am Parque Ignacio Agramonte.
Die große Stadtbibliothek von Camagüey ist ebenfalls zentral direkt am Parque Ignacio Agramonte gelegen.
Im dem kolonialen Gebäude werden abends Livemusik-Veranstaltungen abgehalten.
Das Geburtshaus von Nicolas Guillen liegt nur wenige Meter entfernt von der Casa Natal de Ignacio Agramonte in der Calle Hermanos Aguero 58. Nicolas Guillen gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des 20. Jahrhunderts. Er lebte von 1902 bis 1989.
Zur Veranschaulichung der komplizierten Straßenführung in Camagüey lohnt sich ein kurzer Besuch an der Cinco Esquinas, gelegen am Anfang der Calle Raul Lamar. Hier treffen fünf Straßen aufeinander.
Die Iglesia de Nuestra Senora de la Soledad wurde 1776 errichtet. In ihr fanden auch Taufe und Hochzeit von Ignacio Agramonte statt. Die Fassade mit ihren Pilastern und ihrer reichen Ausstattung mit Stuck ist ein typisches Beispiel für den frühen kubanischen Barock. Im Inneren ist die Kirche mit einer alfarje Holzdecke ausgestattet und besitzt schmuckvoll bemalte Säulen und Bögen.
Provinz: camaguey