Das Valle de Vinales liegt etwa 30km nördlich von Pinar del Rio in der gleichnamigen Provinz im Westen Cubas. Das Tal ist ca. 10km lang und 4km breit und bietet die wohl faszinierendste und ungewöhnlichste Landschaft Cubas. Charakteristisch für die Landschaft sind die steil in den Himmel ragenden Kalksteinformationen, den mogotes.
Das Valle de Vinales ist Teil der Sierra de los Organos (Orgelpfeifengebirge). Dieses war vor Millionen von Jahren ein Hochplateau und gehört zum geologisch ältesten Teil Cubas. Unterirdische Flüsse lösten den Kalk (Erosion) und gruben gewaltige Höhlensysteme in den weichen Kalkstein (man spricht auch von Verkarstung). Diese stürzten im Laufe der Zeit ein. Stehen blieben nur die härteren Stützpfeiler der Höhlensysteme, die heute als mogotes zu bewundern sind. Diese ragen teilweise bis zu 400m in den Himmel und sind dicht mit Urwald überwuchert. Dort finden sich auch viele endemische Pflanzenarten, die sich an die speziellen Bedingungen des schnell versickernden Wassers und des extrem porösen Bodens angepasst haben. Bis zu 20 Pflanzenarten sind nur hier anzutreffen. Darunter auch der cubanische Palmfarn (Microcycas calocoma), eine Gattung der Palmfarne, die ein lebendes Fossil darstellen und sich seit dem Zeitalter des Karbon nicht wesentlich verändert haben. Im Valle de Vinales leben auch das Jutia, ein rattenähnliches Nagetier, und 64 verschiedene, teils endemische Vogelarten.
Von den Zuckerhutähnlichen Erhebungen kommt auch der Name der Sierra de los Organos: Für die spanischen Entdecker sahen sie von weiten so aus, wie Kirchenorgeln. Im Tal selbst wird auf den fruchtbaren, dunkelroten Böden Landwirtschaft betrieben, vor allem Tabakanbau, der sich auch in der Vielzahl an Trockenschuppen für die Tabakproduktion zeigt.
Das Valle de Vinales mit seinen umliegenden Bergen ist ein Nationalpark, der 1999 von der UNSECO mit dem Titel „Kulturlandschaft der Menschheit“ ausgezeichnet wurde.
Im Zentrum des Tals liegt der kleine Ort Vinales. Dieser wurde 1607 gegründet und hat ca. 4000 Einwohner. Der Name leitet sich ab von einem Weinberg, der hier von spanischen Siedlern von den kanarischen Inseln angelegt wurde. Der Ort hat sich seinen kolonialen Charme erhalten und ist heute Teil des UNESCO Weltkulturerbes. Die Hauptstraße ist benannt nach dem Patrioten des 19. Jahrhunderts Salvador Cisneros Betancourt. Typisch für den Ort sind die Kolonialhäuser mit ihren vorgelagerten Arkaden. Zentrum von Vinales ist der Hauptplatz Parque Marti. An diesem befinden sich auch die 1888 erbaute Iglesia del Sagrado Corazon de Jesus und die Colonia Espanola, die ehemalige Verwaltungszentrale des spanischen Adels. Sehenswert ist zudem noch die Casa de Don Tomas, 1887 erbauter Landsitz eines reichen Reeders. Dieser beherbergt heute ein gutes Fischrestaurant. Im Ort und der näheren Umgebung liegen auch die meisten Hotels und Restaurants des Valle de Vinales.
Das Mural de la Prehistoria ist eine bemalte Felswand einer Mogote. Von 1959 bis 1962 malte hier der kubanische Künstler Leovigildo Gonzales, Schüler des mexikanischen Malers Diego Rivera, die Evolutionsgeschichte an die Felswand. Sie reicht von den Ammoniten bis hin zum homo sapiens. 1980 wurde das Kunstwerk restauriert. Es setzt die Felsspalten geschickt für die Farb- und Lichteffekte ein. Provinz: Pinar del Rio