Einer der wichtigsten und auch ältesten Plätze in Habana Vieja, dem ältesten Stadtteil von Havanna, ist der Plaza de Catedral. Dominiert wird der Platz von einem der bedeutendsten Gebäude der Stadt mit der Catedral de San Christobál.
Auf diesem historischen Platz endete auch der Zanja Real. Dieser wurde 1592 vollendet und war das erste spanische Aquädukt in der neuen Welt. . Es führte Wasser vom 11 Kilometer entfernten Fluss Almendares herbei und versorgte die Einwohner und vor allem auch den wichtigen Hafen mit Süßwasser. Schon in den Anfängen von Havanna hatte der Platz somit eine zentrale Bedeutung. Eine Gedenktafel erinnert noch heute daran. Im 18. Jahrhundert kamen dann die wichtigen Gebäude hinzu, vor allem die Kathedrale. Heute ist der Platz ein guter Beginn für die Erkundung der historischen Altstadt Cubas. Der Platz ist belebt, lädt aber doch auch zum Verweilen in einer Bar ein. An der Plaza de Catedral spielen oft Live-Bands. Auch in historischen Kleidern gewandte Wahrsagerinnen findet man hier.
Begonnen wurde mit dem Bau der Catedral de San Cristóbal 1748. Sie wurde zunächst errichtet von Jesuiten. Nachdem die Jesuiten in Konflikt zur spanischen Krone gerieten, wurden diese 1767 aus den spanischen Gebieten vertrieben. Fortan setzen die Franziskaner den Bau fort. 1777 wurde sie schließlich fertiggestellt. Nach dem Einsturz der Parroquial Mayor, der alten Kathedrale von Havanna (an deren ehemaligen Standort steht heute der Palacio de los Capitanes Generales), wurde die Catedral des San Cristóbal 1789 zur Kathedrale geweiht, damals noch unter dem Namen Catedral de la Virgen María de la Inmaculada Concepción. 1796 erhielt sie dann zu Ehren von Christopher Kolumbus ihren heutigen Namen Catedral de San Cristóbal. Historisch nicht bewiesen ist, dass von 1796 bis 1898 in der Kathedrale auch die Gebeine von Kolumbus aufbewahrt wurden. Angeblich wurden am 15. Januar 1796 die Gebeine von Santo Domingo nach Havanna gebracht. Nachdem die Spanier Cuba als Kolonie verloren hatten, wurden sie dann 1898 nach Sevilla gebracht, in deren Kathedrale sie heute noch ausgestellt sind. Eine Gedenktafel links der Kanzel erinnert in der Catedral de San Cristóbal an die angebliche Aufbewahrung.
Der Grundriss der Kathedrale ist typisch für Jesuitenkirchen: Es hat die Form eines Kreuzes, welches im hinteren Bereich und an den Seiten von Kapellen flankiert wird. Das Mittelschiff ist wesentli9ch höher als die Seitenschiffe. Die Fassade der Kathedrale ist im barrocken Stil mit vielen Nischen und Säulen. Die Kirche besitzt zwei wuchtige Glockentürme. Der kubanische Schriftsteller Alejo Carpentier beschrieb die Fassade mal als „zu Stein gewordene Musik“. Der Innenraum hingegen ist im klassizistischen Stil und eher Schlicht. Mächtige Säulen trennen das Mittelschiff von den Seitenschiffen und den acht Kapellen ab. Die größte Kapelle ist die Sagrario Kapelle, die älteste Kapelle ist von 1755 und der Madonna von Loreto gewidmet. In ihr sind auch Votivgaben abgestellt.
Der Hochaltar der Kirche stammt aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts und wurde von dem italienischen Künstler Guiseppe Bianchini geschaffen. Rechts vom Hochaltar steht eine Statue des heiligen Christopherus. Sie stammt aus dem Jahr 1636 und wurde von dem Spanier Martín de Andújar geschaffen. Hinter dem Altar befinden sich drei Fresken von Guiseppe Perovani. Die Decke aus Holz und Stuck stammt von dem Franzosen Jean Baptiste Vermay, der auch die San-Alejandro-Akademie der bildenden Künste gründete. Die Decke wurde nach ihrer Zerstörung von 1946 bis 1952 originalgetreu wieder aufgebaut. Die Glockentürme der Kathedrale können bestiegen werden. Von oben hat man einen schönen Ausblick über die Plaza de Catedral. Alljährlich am 16. November, dem Namenstag des heiligen Christoperus, findet in der Kathedrale eine Messe statt, bei der die Besucher an der Heiligenstatue vorbeigehen und um deren Segen bitten. Die Bitte wird ihnen nur gewährt, wenn sie bis zum Verlassen der Kirche schweigen. Am 25. Januar 1998 hielt auch der Papst bei seinem Kubabesuch eine Messe in der Catedral de San Cristobál ab.
Gegenüber der Catedral de San Cristóbal am anderen Ende des Platzes steht ein Kolonialgebäude aus dem 18. Jahrhundert, dass einst vom Gouverneur Don Luis Chacón erbaut wurde. Seit 1963 beherbergt es das Museum für Kolonialkunst. Das Gebäude selbst besitzt einen schönen Innenhof. In den zwölf Ausstellungsräumen im Erd- und Obergeschoss werden Möbel, Porzellan und Dekorationsgegenstände aus dem 18. Und 19. Jahrhundert gezeigt. Es finden sich Stücke in europäischer, kreolischer und kolonialer Tradition. Neben unzähligen Tropenholzmöbeln gibt es auch eine große Sammlung an Buntglasfenstern, den so genannten mediopuntos, die typisch sind für die kreolischen Künstler Cubas. In einem Raum des Obergeschosses werden zudem zeitgenössische Kunstwerke gezeigt.
Direkt neben der Catedral des San Cristóbal steht das alte Seminar der Jesuiten, welches schon 1689 gegründet wurde. Im Seminar studierten viele berühmte kubanische Patrioten und Intellektuelle, u.a. auch Padre Félix Varela, dem geistlichen Vater der kubanischen Unabhängigkeitsbewegung. Das Seminar hat zwei Eingangsportale. Das eine befindet sich an der Calle de San Ignacio. Es wurde im für Spanien typischen Churriguera Stil erbaut. Das Andere befindet sich an der Avenida del Puerto und ist im Neobarrockstil erbaut. Das Seminar hat einen großen Innenhof. Dieser ist von Galeriebögen umrahmt. Im ersten Stock sind die Galeriebögen einfache Säulen, im Zweiten doppelte und im Dritten Holzsäulen. Beeindruckend ist auch die prächtige Innentreppe, die mit trapezförmigen Motiven und einem Mahagonigeländer verziert ist. Im Seminar wird auch heute noch gelehrt, es kann aber zu bestimmten Zeiten besichtigt werden.
Im Traller Experimantal de Gráfica werden Kurse im Grafik-Design für Kubaner und auch Besucher angeboten. In der kleinen Kunstgalerie können Kunstwerke erworben werden.
In der Villa Palacio de los Marqueses de Aguas Claras aus dem 18. Jahrhundert war im frühen 20. Jahrhundert zunächst das Restaurant París untergebracht, einem der bekanntesten der Zeit. Später waren hier die Büros der Banco Industrial. Heute ist mit dem El Patio wieder ein Restaurant in dem Gebäude, was zum gemütlichen Verweilen an der Plaza de Catedral einlädt.
In dem Palacio del Conde Lombillo, einer Villa aus dem Jahre 1746, sind heute die Verwaltungsräume des historiador de la ciudad, der Verwaltungsstelle die sich um die Restaurierung des Weltkulturerbes kümmert, untergebracht. Vor dem Gebäude spielen oft Salsa-Bands. Im Gebäude gibt es Ausstellungen bezüglich der Entwicklung der Restaurierung von Havannas Altstadt.
Der Palacio de los Marqueses de Arcos ist eine Villa aus dem frühen 18. Jahrhundert. Lange Zeit war es die Hauptpost von Havanna. Der alte Briefkasten hängt immer noch am Gebäude. Heute beherbergt das Gebäude eine Kunstgalerie, in der Kunsthandwerk und Drucke auch zum Verkauf stehen.
Ein weiterer Palast am Plaza de Catedral aus dem 18. Jahrhundert ist das Centro Wifredo Lam, welches zeitgenössische Kunst ausstellt und Vorträge organisiert.
Provinz: Ciudad de La Habana